Nein, nein, keine Angst, ich bin noch nicht gläubig. Zumiondest nicht im herkömmlichen Sinne mit in einen Tempel (Kirche) gehen, beten, Rituale befolgen usw.
Aber ich habe selbst verkündigt! Jetzt muss ich der Religion doch noch Tribut zollen, denn ohne die Religion hätte ich das nicht tun können. Wie so manches Lied, sind die meisten größeren Werke, die um die Weihnachtszeit aufgeführt werden, natürlich mit religiösem Hintergrund.
Aber von Anfang:
Ich habe für einen Freund einen Part in einem Stück von Schelle: „Actus Musicus auf Weyh-nachten“ übernommen. Zur Erklärung: Schelle war Thomas Kantor nach Heinrich Schütz und vor J.S. Bach. Von ersterem hat er gelernt, letzteren hat er beeinflusst. Das merkt man auch deutlich, da man, wenn man Werke von Bach zur Weihnachtszeit hört, eindeutig merkt, dass bestimmte Elemente von Schelle inspiriert sind.
Meine Rolle in diesem Stück war die des Verkündigers, auch genannt Evangelist. Ich habe also das erzählt, was so getan wird, was passiert. In der Prosa wird das Erzähler genannt (für diejenigen, die nicht so oft Weihnachtsgeschichten gehört haben).
Jedenfalls war gestern die Aufführung mit dem Orchester der Musik – und Kunstschule und einem Chor der Jenaplan – Schule. Das ist jetzt nichts weltbewegendes, aber für jemanden, der noch nie ein Rezitativ gesungen hat, ist das eine Herausforderung, und jeder hat mal klein angefangen.
jetzt hat der schon wieder so ein Fremdwort benutzt
Jaja, ich erklär es ja schon:
Also, der Evangelist ist ein Solist, der die Geschehnisse schildert. Das wird in der klassischen Musik, wie gesagt, durch einen solistischen Part (Tenor / Bariton – Stimmlage) mit Basso Continuo (Cello / Kontrabass) und einem Begleitinstrument ausgeführt. In meinem Fall war das ein Cembalo. Und die Weise, wie der Solist das vorträgt, wird Rezitativ genannt. Es orientiert sich also in der Singweise an dem gesprochenen Wort, wird aber auch musikalisch mit Schwerpunkten gesungen, um das ein wenig dramatischer zu gestalten. Das ganze wird vom Solisten relativ frei interpretiert, also der Dirigent hat wenig Einfluß. Dabei sollte aber ein Konsens zwischen Solist und Begleitung herrschen, denn es gilt immer noch eine Art Takt zu wahren. Das heißt, dass der Solist die Geschwindigkeit nach Dramaturgie anpassen kann, aber er das nicht allzu beliebig ändern sollte, damit die Begleitung noch mitkommt. Und die Verbindung zwischen Solist und Begleitung wird durch den Dirigenten übernommen, der sozusagen den Solisten „lesen“ muß, um das an die Begleitung durch sein Dirigat weiter zu geben.
Auf jeden Fall hat mir das ganze sehr viel Spass gemacht, auch wenn ich mit Abstand der älteste bin. Aber Spass macht es trotzdem. Und wer weiß, in dem Chor sind mehrere gute Stimmen, vielleicht kann ich diese ja noch zu mehr anspornen.
Am nächsten Freitag (21.12.07) wird in der Stadtkirche St. Michael in Jena früh um 10 die nächste Aufführung sein. D.h. für mich um 6.00 Uhr aufstehen, damit dann die Stimme warm ist, und ich singen kann. Die ist nämlich groß, und darin liegt die Herausforderung. Alleine, mit dem Gesang und dem Volumen der Stimme eine ganz Kirche zu füllen. Mal sehen, wie gut ich das hionbekomme. Vielleicht wackeln ja die Wände, wenn ich das hohe g auspacke. Natürlich gebrustet, was sonst
Also bis dann,
R. K.