Wie in Jenas „führender Hochschulzeitung“ Akrützel gerade wieder berichtet wurde, ist das Thema Bologna – Prozess und Bachelor- als auch Masterstudiengang ein rotes Tuch für Studierende und solche, die es vor kurzem waren.
Im Allgemeinen wird kritisiert, dass das Studieren an sich nicht mehr selbstbestimmt und halbwegs frei, sondern sehr stark verschult wird. Für bestimmte kritische Bereiche, wie zum Beispiel ganz stark die Geisteswissenschaften mit dem Magister, aber auch die Naturwissenschaften an den Unis, ist diese Umstellung auch stark problematisch, weil eine Kernforderung der Umstellung ist, dass Module erst dann begonnen werden dürfen, wenn bestimmte Vorgängermodule schon abgearbeitet sind.

Jedoch obliegt die genaue Umsetzung der Hochschule an sich, und wird durch eine Akkreditierungskommission bewertet und für gut befunden (oder auch nicht). Jetzt frag ich mich aber, warum an einer FH das Modulsystem problemlos passt, und auch nachfolgende Module angefangen werden können, ohne dass die vorherige Prüfung schon bestanden wurde? Warum musste denn zum Beispiel die FSU Jena diese Folgebedingung in der striktesten Art und Weise einpflegen, die man sich hätte denken können? Eine Regelung: „Prüfung darf erst geschrieben werden, wenn Prüfung vorher bestanden“ hätte doch gereicht, oder nicht? Nein, wenn die Prüfung nicht bestanden ist, kann man gleich das nächste Modul vergessen, weil man sich nicht anmelden darf.

Eine günstige Regelung erscheint mir, dass es feste Zeiträume für Wiederholungsprüfungen gibt, wer dann nicht besteht, fliegt. Wenn man an Beispielzeiträume von ca. 6 Wochen oder 8 Wochen denkt, sind drei oder vier Wiederholungsprüfungen in einem Semester drin, dann kann geext werden. Damit werden Studierende, die nicht willens oder fähig sind, frühzeitig gesiebt, aber diejenigen, die lediglich einen schlechten Tag hatten, werden verschont. Und können trotzdem noch das Studium in der Regelstudienzeit schaffen.
Womit wir bei dem nächsten Problem der FSU sind. Durch die getroffene Regelung wird der prozentuale Anteil der Studierenden, die das Studium in der Regelstudienzeit abschließen rapide sinken. Das bedeutet aber für die Hochschule, dass sie in Rankings an Plätzen verlieren wird. Vorrausgesetzt, dass andere Hochschulen eine bessere Regelung getroffen haben. Da aber angehende Studierende ihren Standort oft nach Rankings aussuchen, und die Legitimation einer Volluni auch durch die Anzahl der Studierenden bestimmt wird, und die Finanzierung leichter wird, wenn man aufgrund der Studierendenzahl mehr Gewicht hat, wird es für die Uni in Zukunft schwer, ihre Position zu verteidigen. Zumal diese Situation durch die vergangenen Kommunalwahlen und kommenden Landtagswahlen sich nicht verbessern werden dürfte. Denn man kann davon ausgehen, dass die jetzige Landesregierung wiedergewählt wird: die Ankündigung von Studiengebühren in Thüringen ist längst durch, und die mindestens 5 jährige Vorbereitungsfrist, die von einem Oberverwaltungsgericht für die Einführung von Studiengebühren festgelegt wurde, ist seit der letzten Wahl auch schon verstrichen. Die gewaltsame Einführung von Verwaltungsbeiträgen, um auf dem Rücken der i.A. schlecht verdienenden Studierenden Geld in die Landestaschen zu spülen bestätigt eine feindliche Position der jetzigen Landesregierung ggü. kostenlosem Studieren.

Die prekäre Situation der Hochschule nur aufgrund einer einzelnen Regelung, die man hätte leichter auslegen können.
Jedoch sind viele Abgänger und Bedienstete der Volluni noch immer in traditionellem Standesdünkel behaftet, und können die Besserungen, von einer „minderwertigen“ FH (ggü. der Uni) nicht ohne Bedenken annehmen, d.h. man versucht auf Krampf ein besseres System einzuführen, auf dem Rücken der Studierenden.
Die auch noch durch ein solches System erfolgreich an der Teilnahme an Protestaktionen gehindert werden, denn man hat ja so schon kaum Zeit zum studieren, geschweige denn für andere Aktivitäten oder Selbstfindung. Die Attraktivität Deutschlands als Wissenschaftsstandort nimmt weiter ab, unser so hochgelobtes Magistersystem (in anderen Ländern wurden deutsche Magister in Geisteswissenschaften mit Kusshand begrüßt, weil sie eben analytisch und freier denken konnten, als durch verschulte Systeme wie z.Bsp. in Italien gebildete) wird aufgrund von Konkurrenzdünkeln in der Europäischen Union geopfert, um einheitliche Standards zu schaffen. Wobei die Austauschbarkeit des Studienortes und die Freizügigkeit der Studierenden, wie durch verschiedene Studien belegt ist, dabei noch mehr eingeschränkt wurde, als vorher die unterschiedlichen Systeme zuließen.